22June
Quo Vadis: Wohin mit den Nano-Partikeln? (Teil 2)
Sascha Ballweg Kosmetische Antitranspirante
Silber-Nanopartikel werden häufig in alltäglichen Gebrauchsgegenständen eingesetzt, um die anti-bakterielle Wirkung von Silber (toxisches Bakterizid) zu nutzen. Bekannt sind beispielsweise geruchsneutralisierende Silber-Deodorants, Sportkleidung, in dessen Stoff Nano-Partikel eingewebt sind oder Waschmaschinen, deren Trommeln mit nanorauher Silberoberfläche beschichtet sind. Tatsächlich zeigt der Einsatz von Silber einen deutlichen, antibakteriellen Effekt. Doch zu welchem Preis? Von der anfänglichen Euphorie um diese “Future Technology”, dem kosmetischen Hype um “Silver-Deos mit High-Tech und Geruchsstop-Garantie” ist heute nicht mehr viel zu spüren. Längst haben sich Wissenschaftler auf der ganzen Welt kritisch zu Wort gemeldet (siehe Teil 1), allen voran die Schwedische Mikrobiologin Asa Melhus (Universitätsklinikum Malmö, Schweden), welche schon vor Jahren die Behauptung der Industrie, Nano-Silber in Alltagsgegenständen sei generell unschädlich, in Frage stellte. Die Wissenschaftlerin verweist auf mehrere bislang vorliegende Studien (Stellungnahme als PDF), in denen Resistenzbildungen bei Bakterien infolge des Einsatzes von Nano-Silber nachgewiesen wurden. Melhus argumentiert, die Resistenzen gingen auf Änderungen in den Zellwänden der Erreger zurück sowie auf auto-evolutionär verbesserte Entgiftungsmechanismen der Zellen. Als eine weitere Folge dieser verbesserten Abwehr der Erreger verlieren eine Reihe von Antibiotika ihre Wirkung und die Zahl mehrfach resistenter Keime nimmt zu. Letzteres ist ein großes Problem, mit dem schon heute etliche Krankenhäuser auf Grund des jahrelangen Einsatzes aggressiver Desinfektionsmittel zu kämpfen haben. Größer jedoch ist die Gefahr für den Mensch, wenn bestimmte Bakterieninfektionen nicht mehr mit herkömmlichen Antibiotika behandelt werden können.
Schon heute ist nanoskaliges Silber das am meisten eingesetzte Nano-Material. In hunderten von Produkten versteckt sich die Technologie, heimlich und unbemerkbar für den Verbraucher, da es bislang EU-weit weder eine Registrierungspflicht, noch eine Deklarierungspflicht für Nano-Partikel gab. Dass ausgerechnet die sonst so industrie-liberalen Amerikaner das Nano-Silber schon 2008 als Pestizid eingestuft haben, sollte uns Europäern zu denken geben.

Kommentar abgeben
Sie müssen sich anmelden, damit Sie Kommentare abgeben können.