5July
“Ohrenschmalz-Gen” C-11 bestimmt Schwitzen und Körpergeruch
Sascha Ballweg Kosmetische Antitranspirante
Ohrenschmalz (Cerumen) kennen wir eher als lästiges und unappetitliches Übel, dem wir kaum mehr Beachtung schenken, als dass wir ihn alle paar Tage mit Wattestäbchen aus unseren Gehörgängen entfernen. Lange bekannt ist seine nicht unbedeutende Aufgabe, Bakterien, Hautschuppen und Insekten von unseren empfindlichen Ohren fernzuhalten, neu hingegen – und ein bisschen absurd klingend – ist seine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Schwitzen und Körpergeruch.
Japanische Wissenschaftler, angeführt von Koh-ichiro Yoshiura von der Universität Nagasaki, haben durch eine Anfang 2006 veröffentlichte Studie festgestellt, dass es bei der Weltbevölkerung grundsätzlich zwei verschiedene Typen von Cerumen gibt: Europäer und Afrikaner haben zu 97% feuchten, klebrigen Ohrenschmalz, während Asiaten, Indianische Völker und Südamerikaner überwiegend eine trockene Variante zeigen. Gesteuert wird dies evolutionär über das ATP Gen C-11, ein Protein mit dem human-genetischen Code ABCC11. Dieses Körpereiweiß ist bei den Menschen mit trockenem Ohrenschmalz inaktiv. Die asiatischen Wissenschaftler vermuten deshalb einen direkten Zusammenhang zwischen den zwei Varianten und der ethnisch ebenso klar trennbaren Veranlagung zu vermehrter Transpiration und zu Körpergeruch. Fest steht: Asiaten und ähnliche ethnische Bevölkerungsgruppen – allesamt genetisch mit trockenem Ohrenschmalz “ausgestattet” – schwitzen deutlich weniger. Ebenso leiden sie weniger bis gar nicht unter Körpergeruch. Allerdings ist der Wissenschaft noch nicht endgültig klar, wie dieser Zusammenhang zu stande kommt.
Was auch immer bei weiteren Studien herauskommen mag, schnelle Hilfe für “Vielschwitzer” (med. Hyperhidrotiker) und Menschen, die unter Körpergeruch (Schweißgeruch, med. Bromhidrosis) leiden, ist leider nicht in Sicht. Zu komplex sind die biochemischen Vorgänge im Körper während des Schwitzens, als dass man hier mit einem “einfachen” Mittel in diese inneren Prozesse eingreifen könnte. Trotzdem besteht kein Grund zur Verzweifelung. Es bleibt den Betroffenen weiterhin die Therapie mit einem Antitranspirant. Diese “Schweiß-Blocker” haben sich seit über 100 Jahren bewährt.

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