Nano-Technologie ist nach wie vor in aller Munde. Jene winzig kleinen Teilchen, die uns das tägliche Leben erleichtern sollen, finden sich inzwischen überall, in Verpackungen, Kosmetika, Farben, Lebensmitteln und sogar Kühlschränken und Waschmaschinen. Ihre Verwendung gibt Substanzen eine extrem feine Konsistenz oder Gegenständen durch Beschichtung eine mikro-rauhe (mikroskopisch feine) Oberfläche, auf der sich Moleküle, Schmutzpartikel und sogar Bakterien nur schwer festsetzen können. Ein Effekt, den sich die Wissenschaft bei der Natur abgeschaut hat (z.B. “Lotus-Effekt”). Doch inzwischen ist diese synthetische Kopie der Schöpfung in die Kritik geraten.
Besonders die Verwendung von Nanopartikel (”Nano-Teilchen”) in Lebensmitteln, zum Beispiel als Rieselhilfe in Tütensuppen, oder als Desinfektionsmittel in kosmetischen Produkten macht nicht nur Experten Sorgen.
Nach wie vor gibt es keinerlei Erkenntnisse darüber, wie sich gelöste Nano-Partikel in der freien Umwelt verhalten. Wohin wandern sie, wenn sie in den Körper gelangen? Wo werden sie eingelagert? Was, wenn sie in den Wasserkreislauf gelangen? Geraten Sie dabei in die Nahrungskette der Natur, und landen sie dadurch am Ende bei uns auf dem gedeckten Tisch? Fragen, auf die die Wissenschaft noch keine rechten Antworten weiß. Es fehlt nicht nur an Langzeitstudien, sondern auch an geeigneten Messverfahren. Denn wie einst bei der Feinstaub- oder bei Asbest-Problematik, müssen erst Methoden entwickelt werden, mit denen die bislang eher unbeachteten Kleinstteilchen besser nachgewiesen werden können. Auch ist die Wirkung der Teilchen auf den menschlichen Organismus kaum durch langfristige Laborstudien untersucht. Was geschieht beispielsweise, wenn nanopartikel-haltige Creme in die Haut einzieht und die Teilchen in den Blutkreislauf gelangen? Was geschieht mit dem “Nano-Silber” – feinste Silber-Kristalle – welche in vielen “Silver”-Deodorants gegen Schwitzen und Körpergeruch enthalten sind? Gelangen diese über den Sprühnebel in die Lunge? Könnten Nanopartikel dort eine ähnliche Gefahr darstellen wie Feinstaub und Asbest? Auch hier blieb die Wissenschaft bislang eindeutige Aussagen schuldig.
Ende 2009 wagten Kritiker der Nano-Technologie erstmals sich vermehrt und öffentlich zu äußern, nachdem in Fachkreisen bereits mehrere Jahre über mögliche Risiken dieser gefeierten “Future-Technology” diskutiert wurde. In den USA hatte die Arizona State University (ASU) 2008 eine Studie zu Nano-Partikeln in Silber-Deos veröffentlich. Kurz darauf, im März 2009, erließ die EU-Komission eine Kennzeichnungspflicht für Nano-Partikel in Kosmetika. Gleichzeitig veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ein entsprechendes Gutachten, worin man sich noch relativ zurückhaltend gab. Auch das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gab sich eher bedeckt. “Nanosilber ist noch nicht in so großen Mengen im Umlauf, dass es der Umwelt oder der Gesundheit des Menschen schaden könnte.” so René Zimmer vom BfR, allerdings sei die Gefahr durch Nanosilber nur gering, solange die Partikel fest in Materialien eingebunden wären und nicht freigesetzt würden, wie beispielsweise in Deo-Sprays. Diese Aussage verwunderte Experten, war doch bekannt, dass es bis dato kaum Messungen, geschweige denn Messverfahren gab. Wie also, kann der BfR die “Mengen im Umlauf” einschätzen und beurteilen? Der Naturschutzverband BUND e.V. wurde bereits Ende 2008 deutlicher: “Solange nicht garantiert werden kann, dass Nanosilber weder der Umwelt noch dem Menschen schadet, dürften die Produkte gar nicht verkauft werden.” forderte ihr Sprecher Jurek Vengels. Das Thema “Nano” war seit dieser Zeit auch regelmäßig in den Medien zu finden, selbst die Boulevardblätter berichteten besorgt. Schließlich ließ die anhaltende Diskussion auch die Politik erwachen. Im Oktober 2009 sprach das Umweltbundesamt (UBA) eine Warnung aus: “Die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken für den Menschen sind derzeit noch unzureichend erforscht”, so UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Das Amt rät, “die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten oder freisetzen können, so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind”.
(Ende Teil 1)