Körpergeruch ist bekanntlich etwas sehr Subjektives. Sowohl in der Wahrnehmung als auch in der Erzeugung. Für den einen riecht es sauer, für den anderen bitter, manche eine(r) fühlt sich vom Moschusduft betört, der andere ergreift die Flucht ob des Schweißgeruchs. Der Verursacher selbst hat bei der Beurteilung seines eigenen Dufts die denkbar schlechtesten Karten, denn seine Nase hat sich evolutionsbedingt angewöhnt, die eigenen Gerüche im Gehirn auszublenden.

Um die kategorische, wissenschaftliche oder medizinische Beurteilung einer Geruchsintensität endlich einmal ermöglichen zu können, führte der dänische Wissenschaftler Ole P. Fanger (erst) im Jahre 1988 die Maßeinheit Olf ein. Hinter diesem skurrilen Wort verbirgt sich eine fast noch skurrilere Postulierung dieser Einheit, denn 1 Olf entspricht, so wikipedia, der “Geruchsbelastung, die von einem Normmenschen (erwachsene Person mit einem Hygienestandard von 0,7 Bädern pro Tag, 1,8 m² Hautoberfläche und bei sitzender Tätigkeit) ausgeht.” Mit dem Olf werden jedoch nicht nur der Geruch von Lebewesen gemessen, sondern auch die Geruchsemission, die von Materialien und Gegenständen ausgeht. Besonders in der Automobilindustrie kommt das Olf häufig zum Einsatz, beispielsweise bei der Beurteilung von neuen Kunststoffverkleidungen und Polsterstoffen im Fahrgastraum. So wichtig das Olf auch für solche Zwecke sein mag, so schwierig ist seine Messung: Nur geschulte Menschen mit besonderen Nasen können die Gerüche “in Olf messen”. Maschinen sind dafür bislang noch nicht erfunden worden.

Viele Anbieter von Antitranspirantien (Mittel gegen Schwitzen) vertreiben ihre Produkte in Sprühflaschen, wie man sie von Deodorants kennt. Obgleich diese sogenannten Pumpflaschen meist ohne Treibmittel (FCKW) auskommen und damit recht umweltverträglich sind, sollte man auf “Schweiß-Blocker” in diesem Verpackungstyp verzichten. Zu groß ist die Gefahr der Überdosierung, denn schon mit einem einzigen Sprühstoß wird meist eine Menge aufgetragen, die viel zu viel für die Haut, beispielweise unter den Achseln, ist. Antitranspirante enthalten Aluminiumsalze (Aluminiumhydrochlorid), die schon bei kleinster Überdosierung zu Hautreizungen führen. Ein Feindosierung ist mit einer Sprühflasche unmöglich. Bei einer Anwendung im Gesicht oder an anderen Stellen, in dessen Nähe empfindliche Hautpartien liegen (z.B. Schenkelinnenseiten) sind Sprühflaschen völlig ungeeignet! Antitranspirante sollten möglichst nicht in die Augen oder auf die Schleimhäute gelangen. Ferner werden Erstanwender, die bisher Deos verwendet hatten, leicht dazu verleitet, das Antiperspirant üppig aufzutragen. Kein Wunder, dass viele Anwender von gereizter Haut, d.h. von Jucken, Brennen und geröteter Haut berichten. In 90% aller Fälle ist dies Folge einer Überdosierung (oder einer zu häufigen Anwendung).

Moderne, sanfte Antitranspirante wie AHC20 classic, AHC20 sensitive und AHC30 forte werden aus den genannten Gründen ausschließlich in einer Tropfflasche vertrieben. Diese handlich kleinen Plastikfläschchen erlauben es, das Mittel Tropfen für Tropfen auf die Fingerkuppe zu träufeln, womit es dann an der gewünschten Stelle gezielt und sicher aufgetragen werden kann.

Ohrenschmalz (Cerumen) kennen wir eher als lästiges und unappetitliches Übel, dem wir kaum mehr Beachtung schenken, als dass wir ihn alle paar Tage mit Wattestäbchen aus unseren Gehörgängen entfernen. Lange bekannt ist seine nicht unbedeutende Aufgabe, Bakterien, Hautschuppen und Insekten von unseren empfindlichen Ohren fernzuhalten, neu hingegen - und ein bisschen absurd klingend - ist seine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Schwitzen und Körpergeruch.

Japanische Wissenschaftler, angeführt von Koh-ichiro Yoshiura von der Universität Nagasaki, haben durch eine Anfang 2006 veröffentlichte Studie festgestellt, dass es bei der Weltbevölkerung grundsätzlich zwei verschiedene Typen von Cerumen gibt: Europäer und Afrikaner haben zu 97% feuchten, klebrigen Ohrenschmalz, während Asiaten, Indianische Völker und Südamerikaner überwiegend eine trockene Variante zeigen. Gesteuert wird dies evolutionär über das ATP Gen C-11, ein Protein mit dem human-genetischen Code ABCC11. Dieses Körpereiweiß ist bei den Menschen mit trockenem Ohrenschmalz inaktiv. Die asiatischen Wissenschaftler vermuten deshalb einen direkten Zusammenhang zwischen den zwei Varianten und der ethnisch ebenso klar trennbaren Veranlagung zu vermehrter Transpiration und zu Körpergeruch. Fest steht: Asiaten und ähnliche ethnische Bevölkerungsgruppen - allesamt genetisch mit trockenem Ohrenschmalz “ausgestattet” - schwitzen deutlich weniger. Ebenso leiden sie weniger bis gar nicht unter Körpergeruch. Allerdings ist der Wissenschaft noch nicht endgültig klar, wie dieser Zusammenhang zu stande kommt.

Was auch immer bei weiteren Studien herauskommen mag, schnelle Hilfe für “Vielschwitzer” (med. Hyperhidrotiker) und Menschen, die unter Körpergeruch (Schweißgeruch, med. Bromhidrosis) leiden, ist leider nicht in Sicht. Zu komplex sind die biochemischen Vorgänge im Körper während des Schwitzens, als dass man hier mit einem “einfachen” Mittel in diese inneren Prozesse eingreifen könnte. Trotzdem besteht kein Grund zur Verzweifelung. Es bleibt den Betroffenen weiterhin die Therapie mit einem Antitranspirant. Diese “Schweiß-Blocker” haben sich seit über 100 Jahren bewährt.

Schon seit 1994 galt in der Kalifornischen Bibliothek von San Luis Obispo (USA) die betriebsinterne Vorschrift, dass Büchereibesucher mit starkem Körpergeruch (”body odor”) vom Personal des Raumes verwiesen werden dürfen. Doch dem nicht genug, verankerte dies der Rat von San Luis Obispo County auf gesetzliche Weise. Seit 2005 gibt es nun die offiziellen “Library Rules of Conduct and Exclusion Process” (sinngemäß: “Bibliotheksregeln für Benehmen und Ausschluss”), die auch für den gesamten Kreis (”county”) gelten. Somit ist es Polizeibeamten mit gesetzlicher Legitimation in 14 Bibliotheken und einem Bücherbus gestattet, stark riechende Personen zu “entfernen”. Was im Einzelfall unter “Körpergeruch” zu verstehen ist, und was diesen “extrem” oder “belästigend” macht, wird jedoch nicht weiter definiert.

Übrigens: 1989 hatte Richard Kreimer in Morristown, New Jersey (USA) einen relevanten Prozess gewonnen, nach dem er sich per Klage vor dem Federal Court gegen seinen “Rausschmiss” aus einer öffentlichen Bücherei gewehrt hatte. Damals hatte das Gericht argumentiert, eine Bücherei sei nicht berechtigt, und durch kein Gesetz legitimiert, Besucher wegen ihres Körpergeruchs hinauszuschicken. 1992 wurde das Urteil in nächster Instanz jedoch wieder aufgehoben. Bibliotheksangestellte und andere Besucher müssten dies nicht hinnehmen. Jedoch dürfe der Betroffene nur höflich und mit Anstand zum Verlassen der Räumlichkeiten aufgefordert werden.

Silber-Nanopartikel werden häufig in alltäglichen Gebrauchsgegenständen eingesetzt, um die anti-bakterielle Wirkung von Silber (toxisches Bakterizid) zu nutzen. Bekannt sind beispielsweise geruchsneutralisierende Silber-Deodorants, Sportkleidung, in dessen Stoff Nano-Partikel eingewebt sind oder Waschmaschinen, deren Trommeln mit nanorauher Silberoberfläche beschichtet sind. Tatsächlich zeigt der Einsatz von Silber einen deutlichen, antibakteriellen Effekt. Doch zu welchem Preis? Von der anfänglichen Euphorie um diese “Future Technology”, dem kosmetischen Hype um “Silver-Deos mit High-Tech und Geruchsstop-Garantie” ist heute nicht mehr viel zu spüren. Längst haben sich Wissenschaftler auf der ganzen Welt kritisch zu Wort gemeldet (siehe Teil 1), allen voran die Schwedische Mikrobiologin Asa Melhus (Universitätsklinikum Malmö, Schweden), welche schon vor Jahren die Behauptung der Industrie, Nano-Silber in Alltagsgegenständen sei generell unschädlich, in Frage stellte. Die Wissenschaftlerin verweist auf mehrere bislang vorliegende Studien (Stellungnahme als PDF), in denen Resistenzbildungen bei Bakterien infolge des Einsatzes von Nano-Silber nachgewiesen wurden. Melhus argumentiert, die Resistenzen gingen auf Änderungen in den Zellwänden der Erreger zurück sowie auf auto-evolutionär verbesserte Entgiftungsmechanismen der Zellen. Als eine weitere Folge dieser verbesserten Abwehr der Erreger verlieren eine Reihe von Antibiotika ihre Wirkung und die Zahl mehrfach resistenter Keime nimmt zu. Letzteres ist ein großes Problem, mit dem schon heute etliche Krankenhäuser auf Grund des jahrelangen Einsatzes aggressiver Desinfektionsmittel zu kämpfen haben. Größer jedoch ist die Gefahr für den Mensch, wenn bestimmte Bakterieninfektionen nicht mehr mit herkömmlichen Antibiotika behandelt werden können.

Schon heute ist nanoskaliges Silber das am meisten eingesetzte Nano-Material. In hunderten von Produkten versteckt sich die Technologie, heimlich und unbemerkbar für den Verbraucher, da es bislang EU-weit weder eine Registrierungspflicht, noch eine Deklarierungspflicht für Nano-Partikel gab. Dass ausgerechnet die sonst so industrie-liberalen Amerikaner das Nano-Silber schon 2008 als Pestizid eingestuft haben, sollte uns Europäern zu denken geben.

Die Iontophorese, auch Leitungswasseriontopherese (LWI) genannt, ist ein konservatives Therapieverfahren, das weltweit von Ärzten gegen übermäßiges, krankhaftes Schwitzen (Hyperhidrosis) verschrieben wird. Mit großem Erfolg. Denn in über 98% der Fälle hilft die regelmäßige, dauerhafte Therapie mit Schwachstrom, die Schweißausbrüche an Händen, Füßen oder unter den Achseln zu stoppen. Die Behandlung erfolgt im Hand-/Fußbad, durch welches ein schwacher Gleich- oder Pulsstrom geleitet wird. Dies ist völlig ungefährlich und schmerzfrei. Ist der Erfolg nach 10 Anwendungen in der Arztpraxis belegt, kann der Dermatologe ein Iontophorese-Gerät für die Heimtherapie verschreiben. Trotz der recht hohen, einmaligen Anschaffungskosten rechnet sich so ein Gerät schnell. Die Betriebskosten (minimale Strom-/Wasserkosten) sind extrem gering. Verglichen mit den Langzeitkosten und Risiken von Botulinumtoxin-Injektionen oder Schweißdrüsenentfernungen überzeugt das Iontophorese-Verfahren sofort. Ein weiterer Vorteil für den Patienten ist, dass er für die tägliche Anwendung keine Anfahrtszeiten/-kosten in Kauf nehmen muss und die Behandlung terminunabhängig zuhause durchführen kann. Dabei reichen oft schon 10 Minuten täglich, um eine Verbesserung des Schweißproblems herbeizuführen. Wichtig ist vorallem, dass sich der Anwender für das richtige Gerät entscheidet. Hier ist der erfahrene Medizintechniker gefragt! Allen Menschen, die an Hyperhidrosis palmaris (schwitzende Hände), Hyperhidrosis plantaris (Schweißfüße) oder Hyperhidrosis axillaris (Achselschwitzen) erkrankt sind, empfehlen wir, sich vorab ausführlich auf der Homepage www.iontophorese-geräte.de zu informieren.

Dietmar Stattkus, freier Autor und Verfasser der Ratgeber Hilfe, ich schwitze! (ISBN 978-3898112673) und Antitranspirante (ISBN 978-3833477164) beschäftigt sich bereits seit Jahren intensiv mit den Themen Hyperhidrosis (übermäßiges, krankhaftes Schwitzen) und Bromhidrosis (permanenter, penetranter Körpergeruch bzw. Schweißgeruch).

Sein umfangreiches Bromhidrose-Wissen hat der in Hilter am Teuteburger Wald lebende Autor nun übersichtlich zusammengefasst und auf seiner Informationsseite www.bromhidrosis.de veröffentlicht. Betroffene und Mitbetroffene finden hier grundlegende Fakten zu der unbekannten und oft tabuisierten Krankheit. Seine Empfehlungen zu den im Moment bekannten Behandlungsmöglichkeiten sind fundiert und lesenswert. Mit Sicherheit wird diese wichtige Homepage dazu beitragen, dass das Reizthema Körpergeruch von an Bromhidrose Erkrankten und ihrer Umwelt besser verstanden wird.

Die Website schwitzen.com, ein Webshop zum Thema Schwitzen und Körpergeruch, wurde am 27.04.2010 in einem feierlichen Akt mit dem Website Award NRW des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Bronze ausgezeichnet.

Anlässlich der Verleihung des NEG Website Awards 2010 in Aachen, konnte sich der Webshop für kosmetische Antitranspirante zusammen mit zwei anderen Onlineprojekten gegen mehr als 300 Bewerber durchsetzen.

schwitzen.com vertreibt über einen individuell modifizierten OpenSource-Shop Präparate gegen starkes Schwitzen und Körpergeruch. Dabei wird besonders viel Wert auf eine bestmögliche Hilfestellung bei intimen und peinlichen Tabu-Themen wie Schweißflecken oder -geruch sowie unzensierte Kundenbewertungen gelegt.

Über 100.000 Artikel, vorwiegend Antitranspirante auf Basis von Aluminiumsalz, wurden seit 2005 über den Webshop sowie über andere Plattformen wie amazon.de und ebay.de abgesetzt.

Die Jury honorierte bei Ihrer Entscheidung, dass der Besucher von schwitzen.com durch die leichte Navigation und die ausführliche Beratung - auf Wunsch völlig anonym - schnell zu dem individuell für ihn passenden Produkt gelangt. Besonders der offene Umgang mit dem sensiblen Tabu-Thema wurde gelobt, da die Betreiber anhand der Schilderung eigener Erlebnisse, den Besuchern die Scheu nehmen über ihr Problem zu reden. Dadurch fühlt sich der zukünftige Kunde perfekt beraten und in guten Händen. Unzensierte, unabhängig geprüfte Kundenmeinungen belegen dies eindrucksvoll.

Quellen und weitere Informationen:
Eintrag zum Website-Award bei wikipedia.org
Website des BMWi-Awards
Presseartikel des EEC Handel Instituts, Köln
Pressemitteilung des Landes Nordrhein-Westfalen auf medien | NRW

Und wieder ein Urteil zum Thema Schweiß und Gestank. Eine arbeitgeberseitige Kündigung während der Probezeit ist auch mit der Begründung, der Gekündigte leide unter extremen “Schweißgeruch” rechtens, da sie nicht die Menschwürde verletzt, nicht sittenwidrig (§138 BGB) ist, noch gegen Treu und Glauben (§ 242 BGB) verstößt - so jedenfalls begründete das Arbeitsgericht Köln seine Bestätigung der Kündigung. Doch ist an diesem Fall nicht nur die arbeitsrechtliche oder juristische Komponente interessant. Vielmehr zeigt die Berichterstattung in den Medien sowie viele Leserkommentare im Internet, welche Missverständnisse es noch immer bei dem Thema Körpergeruch gibt. “Schweißgeruch: Kündigung wegen mangelnder Hygiene rechtens” titelt beispielsweise DCRS Online und setzt pauschal Schweißgeruch mit mangelnder Hygiene gleich. Zudem ist die Aussage sachlich falsch, war in dem Urteil doch einzig und allein entscheidend, dass die Kündigung während der Probezeit erfolgte. Die Frage ob der Kläger nun tatsächlich nach Schweiß gerochen hatte, geschweige denn, ob mangelnde Hygiene daran Schuld war, wurde vor Gericht überhaupt nicht erörtert. Trotzdem ereifern sich anonyme Kommentatoren im Internet einem Urteilsspruch beizupflichten, den es so gar nicht gibt. “Selbst Schuld!”, “Wer Arbeit will soll sich gefälligst waschen!”, “Bah! Dieses Ekelpaket” … so liebenswürdig äußern sich die Menschen zum Thema.

Damit tun sie nicht nur dem Betroffenen unrecht, dem inzwischen elf seiner Mitarbeiter bescheinigen, nie nach Schweiß gerochen zu haben, sondern sie verkennen auch, dass das Problem Körpergeruch eigentlich nur wenig mit Körperpflege zu tun hat.
Und auch seriöse Internetformate liegen falsch, wenn sie, wie z.B. das “Karrieremagazin” Job-Insider, schlussfolgern: “Was lernen wir trotzdem daraus? Immer schön sauber bleiben…” (Artikel vom 12.01.2010 “Schwitzen am Arbeitsplatz verboten? – Stadt Köln kündigt Mann wegen Körpergeruch”).

Ein Irrtum: Tatsächlich gibt es viele Menschen, die trotz täglicher Dusche und ausgiebiger Benutzung von Deodorants permanent nach Schweiß riechen. Bromhidrosis nennt sich diese Erkrankung. Sie geht oft einher mit dem starkem Schwitzen (z.B. im vollklimatisiertem Büro), der sogenannten Hyperhidrosis. Beide Krankheiten können oft nur mit ärztlicher Hilfe, speziellen Waschschäumen und Antitranspiranten bewältigt werden. Eine Heilung durch bloßes Waschen mit Seife und Aufsprühen gutriechender Deos ist jedenfalls nicht zu erwarten. Es bleibt zu hoffen, dass mit der empörten Diskussion um diese Kündigung auch ein paar sachliche Informationen zum Thema “Körpergeruch” an die Öffentlichkeit herangetragen werden.

Nano-Technologie ist nach wie vor in aller Munde. Jene winzig kleinen Teilchen, die uns das tägliche Leben erleichtern sollen, finden sich inzwischen überall, in Verpackungen, Kosmetika, Farben, Lebensmitteln und sogar Kühlschränken und Waschmaschinen. Ihre Verwendung gibt Substanzen eine extrem feine Konsistenz oder Gegenständen durch Beschichtung eine mikro-rauhe (mikroskopisch feine) Oberfläche, auf der sich Moleküle, Schmutzpartikel und sogar Bakterien nur schwer festsetzen können. Ein Effekt, den sich die Wissenschaft bei der Natur abgeschaut hat (z.B. “Lotus-Effekt”). Doch inzwischen ist diese synthetische Kopie der Schöpfung in die Kritik geraten.

Besonders die Verwendung von Nanopartikel (”Nano-Teilchen”) in Lebensmitteln, zum Beispiel als Rieselhilfe in Tütensuppen, oder als Desinfektionsmittel in kosmetischen Produkten macht nicht nur Experten Sorgen.

Nach wie vor gibt es keinerlei Erkenntnisse darüber, wie sich gelöste Nano-Partikel in der freien Umwelt verhalten. Wohin wandern sie, wenn sie in den Körper gelangen? Wo werden sie eingelagert? Was, wenn sie in den Wasserkreislauf gelangen? Geraten Sie dabei in die Nahrungskette der Natur, und landen sie dadurch am Ende bei uns auf dem gedeckten Tisch? Fragen, auf die die Wissenschaft noch keine rechten Antworten weiß. Es fehlt nicht nur an Langzeitstudien, sondern auch an geeigneten Messverfahren. Denn wie einst bei der Feinstaub- oder bei Asbest-Problematik, müssen erst Methoden entwickelt werden, mit denen die bislang eher unbeachteten Kleinstteilchen besser nachgewiesen werden können. Auch ist die Wirkung der Teilchen auf den menschlichen Organismus kaum durch langfristige Laborstudien untersucht. Was geschieht beispielsweise, wenn nanopartikel-haltige Creme in die Haut einzieht und die Teilchen in den Blutkreislauf gelangen? Was geschieht mit dem “Nano-Silber” – feinste Silber-Kristalle – welche in vielen “Silver”-Deodorants gegen Schwitzen und Körpergeruch enthalten sind? Gelangen diese über den Sprühnebel in die Lunge? Könnten Nanopartikel dort eine ähnliche Gefahr darstellen wie Feinstaub und Asbest? Auch hier blieb die Wissenschaft bislang eindeutige Aussagen schuldig.

Ende 2009 wagten Kritiker der Nano-Technologie erstmals sich vermehrt und öffentlich zu äußern, nachdem in Fachkreisen bereits mehrere Jahre über mögliche Risiken dieser gefeierten “Future-Technology” diskutiert wurde. In den USA hatte die Arizona State University (ASU) 2008 eine Studie zu Nano-Partikeln in Silber-Deos veröffentlich. Kurz darauf, im März 2009, erließ die EU-Komission eine Kennzeichnungspflicht für Nano-Partikel in Kosmetika. Gleichzeitig veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ein entsprechendes Gutachten, worin man sich noch relativ zurückhaltend gab. Auch das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gab sich eher bedeckt. “Nanosilber ist noch nicht in so großen Mengen im Umlauf, dass es der Umwelt oder der Gesundheit des Menschen schaden könnte.” so René Zimmer vom BfR, allerdings sei die Gefahr durch Nanosilber nur gering, solange die Partikel fest in Materialien eingebunden wären und nicht freigesetzt würden, wie beispielsweise in Deo-Sprays. Diese Aussage verwunderte Experten, war doch bekannt, dass es bis dato kaum Messungen, geschweige denn Messverfahren gab. Wie also, kann der BfR die “Mengen im Umlauf” einschätzen und beurteilen? Der Naturschutzverband BUND e.V. wurde bereits Ende 2008 deutlicher: “Solange nicht garantiert werden kann, dass Nanosilber weder der Umwelt noch dem Menschen schadet, dürften die Produkte gar nicht verkauft werden.” forderte ihr Sprecher Jurek Vengels. Das Thema “Nano” war seit dieser Zeit auch regelmäßig in den Medien zu finden, selbst die Boulevardblätter berichteten besorgt. Schließlich ließ die anhaltende Diskussion auch die Politik erwachen. Im Oktober 2009 sprach das Umweltbundesamt (UBA) eine Warnung aus: “Die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken für den Menschen sind derzeit noch unzureichend erforscht”, so UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Das Amt rät, “die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten oder freisetzen können, so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind”.

(Ende Teil 1)